Spondylolisthesis – Wirbelgleiten

Bei einer Spondylolisthesis handelt es sich um eine Verschiebung eines Wirbels nach vorne über den darunter liegenden Wirbel hinweg, ein Synonym ist der Ausdruck „Wirbelgleiten“, der Wirbel selbst kann als Gleitwirbel bezeichnet werden. Normalerweise verschiebt sich der gesamte Wirbel nach vorne und damit auch sein Wirbelbogen, seine Querfortsätze und die oberen Gelenkfortsätzen. Folge dieser Verschiebung ist auch eine Verschiebung der darüber liegenden Wirbelsäulenabschnitte.

Für einen Wirbelgleiten sind im wesentlichen zwei Gründe verantwortlich::

  1. Spondylolyse mit Entwicklung einer Spondylolisthesis: Hierbei kommt es zu einem Spaltbildung zwischen Wirbelkörper und Wirbelbogen. Eine Spondylolyse soll bei bis zu 8 % der Menschen vorhanden sein. Nur bei ca. 2 – 4 % der Betroffenen entwickelt sich dann das Gleitphänomen, eine Spondylolisthesis entsteht. Betroffen sind in erster Linie junge und jüngere Patienten. Mit ca. 80 % ist am häufigsten der fünfte Lendenwirbel, der vierte Lendenwirbel ist mit ca. 20 % betroffen.

  2. Erworbene Spondylolisthesis: Bei älteren Patienten kommt es durch den Verschleiß der Bandscheiben zu einer vermehrten Segmentbeweglichkeit, die im Bereich der Wirbelsäule zu einer Wackelbeweglichkeit der Wirbelbogengelenke mit deren nachfolgenden Verschleiß mündet. Die ausgeschlagenen Gelenke können dann auch zu einer „degenerativen“ Spondylolisthesis führen.

Die Spondylolisthesis wird nach Meyerding in vier Schweregrade eingeteilt:

Leichte Spondylolisthesen bis zu Grad II führen zunächst zu keinen oder nur geringen Beschwerden. Mit zunehmender Verschleißerkrankung der Bandscheibe können sich später aber heftige Beschwerden entwickeln.

Bei einem ausgeprägten Gleitwirbeln über Grad Meyerding III werden die aus der Wirbelsäule abgehenden Nervenwurzeln irritiert, was zu einer Schmerzausstrahlung in die Beine Führen kann. Zudem entsteht durch den erheblichen Vorschub des Wirbels eine Veränderung des gesamten seitlichen Wirbelsäulenaufbaus mit Entwicklung einer unphysiologischen Rundrückenbildung im Bereich des Überganges von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein. Gehäuft tritt diese Erkrankung bei Sportlern auf, die ihre Wirbelsäule im Sinne einer Hohlrückenbildung belasten (z.B. Speerwerfer, Ringer). Bei einem besonders ausgeprägten Wirbelgleiten (Spondyloptose) rutscht der Wirbel über die Vorderkante des darunterliegenden Wirbels.

Diagnostik

Die körperlichen Untersuchung zeigt häufig eine verstärkte Hohlrückenbildung der oberen Lendenwirbelsäule in Verbindung mit einer Rundrückenbildung der unteren Lendenwirbelsäule. Gelegentlich besteht auch eine Seitverbiegung, die sich optisch als Skoliose darstellt. Bei ausgeprägtem Wirbelgleiten lässt sich auch eine Stufenbildung über dem nach vorn gerutschten Wirbel nachweisen. Röntgenaufnahmen der Lendenwirbelsäule bestätigen den Befund, Röntgenbilder in spezieller Technik wie Schrägaufnahmen zur Darstellung der Lockerung zwischen Wirbelbogen und Wirbelkörper sowie Funktionsaufnahmen zur Darstellung einer seitlichen Instabilität ergänzen die radiologische Diagnostik. Mit einer Kernspintomographie (MRT) lassen sich weitere Informationen über die Beschaffenheit der Bandscheibe und eine mögliche Nervenkompression erzielen.

Konservative Therapie der Spondylolisthesis

Das Hauptaugenmerk richtet sich auf eine Stabilisierung der Muskulatur durch ein entsprechendes krankengymnastisches Übungsprogramm in Verbindung mit einer medikamentösen Schmerztherapie, auch die Rückenschule und entlordosierende Übungen werden verordnet. Verwendet werden Schmerzmittel, muskelentspannende Medikamente und in erster Linie Antirheumatika. Zusätzlich können lokale Injektionen von Lokalanästhetika erfolgen, auch in Kombination mit Nervenwurzelinfiltrationen bei ausstrahlender Schmerzsymptomatik. Selten kommen die Akupunktur, Tens-Geräte und Schmerzbewältigungstherapien zum Einsatz. Nach der eigenen Erfahrung wird eine Korsetttherapie nur schlecht akzeptiert, auch ist der Erfolg einer solchen Massnahme fraglich. In den meisten Fällen erzielen diese Therapieformen eine gute Linderung der Beschwerden und eine tägliche Belastungsstabilität.

hier Infos zur operativen Therapie der Spondylolisthesis